Mit dem Faltvelo Zizers-Buchs und retour
Ein Ostervergnügen der speziellen Art - mit dem Ori Faltvelo unterwegs im Rheintal - ein überzeugender Test bei frühlingshaft optimaler Witterung zu Ostern 2009.
Platz ist ...

Ob im Nahverkehr des Zürcher Verkehrsverbundes (1), im Intercity der SBB (2) oder im Büro unter dem Schreibtisch (3) - das Ori Faltvelo findet immer Platz. Zu Ostern 2009 hatte ich Gelegenheit, dieses ungewöhnliche Faltrad eine Woche lang zu testen.
Vorweg gesagt, ein Leichtgewicht ist das Ori nicht. Beim Tragen vom S-Bahn-Gleis zum Anschlussgleis für die Fernverbindung kriegt man schnell einen langen Arm. Man sollte sich die Zeit nehmen, das Faltbike kurz zu entfalten und zum Zielbahnsteig zu rollen und im entfalteten Zustand auf Treppen zu tragen. Dann aber geht alles ganz leicht. Das Zusammenfalten und Entfalten ist in wenigen Sekunden erledigt.
Obwohl Ori angibt, das Faltvelo sei für eine Körpergrösse bis zu 1,90 m geeignet - das Sattelrohr lässt sich nicht so weit herausziehen, dass ich bei nur leicht angewinkeltem Knie mit dem Fussballen die Pedale optimal erreiche. So ist ideale Krafteinwirkung nicht möglich. Bei der Tour, die ich mir vorgenommen habe, war das aber bereits nach kurzer Zeit vergessen. Das Faltrad fährt sich wie ein Stadtrad - nur bequemer.
Die Strecke:

- Fahrradrouten zwischen den Knotenpunkten (1) Landquart Bahnhof, (2) Bahnbrücke Igis, (3) Zizers-Industriegebiet, (4) Zizers Schule Obergasse, (5) Igis Bahnhof, (6) Sagen, (7) Grüsch/Seewis, (8) Bad Ragaz Bahnhof, (9) Fläscher Brücke, (10) Sargans Bahnhof, (11) Sargans Rheindamm, (12) Wartau, (13) Buchs Bahnhof, (14) Chur-Wiesenthal
Von Zizers (4) aus treffe ich an der Bahnbrücke Igis (2) auf die nationale Veloroute 2/9, die mich über Igis Bahnhof (5) an Schloss Marschlins vorbei zum Knotenpunkt Sagen (6) führt. Die Veloroute 2/9 führt durch die Weinbauorte Malans, Jenins, Maienfeld und Fläsch der Bündner Herrschaft und trifft bei der Fläscher Brücke (9) auf den Rheindamm. Bei leichtem Rückenwind kommt bei aufrechter Haltung auf dem Faltvelo und der erhöhten Position auf dem Rheindamm ein Gefühl des Schwebens auf.

In aufrechter Sitzhaltung ist man geneigt, das Tempo zu mässigen und den Blick in die frühlingshafte Berglandschaft zu geniessen. Das heisst nicht, dass man mit dem Faltbike nicht Tempo machen könnte. Steigungen bis 10% lassen sich mit der 8-Gang-Nabenschaltung bei guter Kondition problemlos bewältigen. Obwohl ungefedert, ist es den Konstrukteuren des Faltbikes gelungen, durch die Gestaltung des ansonsten sehr verwindungssteifen faltbaren Hinterbaus eine leichte Federwirkung zu erreichen, die harte Stösse eines unebenen Untergrundes recht gut abfedert.

Unangestrengt geniessen ...
Jedenfalls hat mich die Tour mit dem Faltvelo nicht mehr angestrengt als die gleiche Tour mit meinem gewohnten hochwertigen Treckingrad. Bei Geschwindigkeiten von mehr als 30 km/h, wie sie bei Gefällestrecken mit mehr als 10% schnell erreicht werden, fühlt sich die Lenkung allerdings etwas nervös an - das unterscheidet das Faltrad allerdings nicht von einem Stadtrad üblicher Bauart. Die Bremsen, die in der Vergangenheit bei anderen Falträdern teils als Schwachpunkt eingestuft wurden, wirken beim Ori Faltvelo kraftvoll und lassen sich gut dosieren. Zu keinem Zeitpunkt kam ein Gefühl von Unsicherheit auf.
Fazit: Für den Stadtverkehr und die flexible Kombination mit öffentlichen Verkehrsmitteln verdient das Ori Faltvelo eine erstklassige Empfehlung.

Oberhalb des Rheins vor grossartiger Gebirgskulisse führt mich die Tour an der alten Holzbrücke über den Rhein bei Sevelen vorbei, die einzige noch erhaltene dieser Art, die mittlerweile unter Denkmalschutz steht und nur noch von Velofahrern und Fussgängern benutzt werden darf.

Auf dem Rückweg von Buchs (13) entlang der Bahntrasse nach Sargans bis Wartau (12) geniesse ich den Blick in das weite Rheintal mit seinen blühenden Wiesen und Obstbäumen.

Obwohl ich zurück von Buchs Richtung Sargans jetzt mit dem Gegenwind kämpfen muss, ermöglicht mir die gut abgestufte 8-Gang-Nabenschaltung, immer den optimalen leichten Tritt-Rhythmus beizubehalten und den Blick für die schöne Umgebung frei zu haben. Ab Wartau (12) nehme ich die zuvor befahrene Route über den Rheindamm und durch die Weinbaudörfer in umgekehrter Richtung zurück nach Zizers (4).

Zwischen Fläsch und Jenins fahre ich an dieser Schafherde mit reichlichem Nachwuchs unter blühenden Obstbäumen vorbei.
Eine Empfehlung wert
Ein weiterer Vorzug des Faltvelos. Statt eines Fahrradständers klappe ich einfach den Hinterbau des Faltbikes ein und schon findet es einen sicheren Stand.
Ein vorbeispazierender kleiner Junge wundert sich über das "kaputte" Fahrrad. Der Grossvater kann diese Wahrnehmung auf die Schnelle nicht ausräumen - zu ungewöhnlich ist der Anblick eines Faltvelos mit eingeklapptem Hinterbau im Alltag. Blühende Obstbäume begleiten mich auf der Weiterfahrt nach Maienfeld an löwenzahndurchzogenen Weinbergen vorbei - auch der von den Gemeinden der Bündner Herrschaft eingerichtete Weinwanderweg ist für Fusswanderer wie genussorientierte Velofahrer eine Empfehlung wert.

Am Wege finden sich genug Einkehrmöglichkeiten für durstige Kehlen und hungrige Mäuler, von denen ich aber heute keinen Gebrauch mache. Die Parkplätze in den Weinbaudörfern sind jedenfalls zu Ostern gut gefüllt. Das sonnige aber noch kühle Wetter hat noch nicht die grossen Massen von Velofahrern zu einer Tour verführt.

Meine letzte Rast mache ich kurz vor der Auffahrt nach Igis mit Blick auf das abendliche Rheintal bei Landquart und die Weinberge bei Malans.


