Den Grünen Ring entdecken
Herbstliche Tour auf dem Grünen Ring mit hochwasserbedingten Abenteuern und unfreiwilligem Pannenkurs - ein vergnügliches Tourerlebnis mit der ADFC Ortsgruppe Wennigsen
Den Leinefluten ein Schnippchen schlagen
Die Ortsgruppe Wennigsen des ADFC hatte sich den Grünen Ring um Hannover vorgenommen - und viele folgten der Einladung. Bei dem angesagten Bilderbuchwetter mit viel Sonne und radfahrerfreundlichen moderaten Temperaturen war Fahrspaß pur zu erwarten. Die Leinefluten führten allerdings dazu, dass nicht überall die gewohnte Strecke befahrbar war. Das übliche Abenteuer für Fahrradfahrer: Umleitungsstrecken sind gefälligst selbst zu finden - da erwies sich trotz GPS und Navigationsgerät das bewährte papierene Kartenwerk als unverzichtbar, um den Überblick zu behalten und den Fluten ein Schnippchen zu schlagen.
Tourstart am S-Bahnhof Empelde
Vom S-Bahnhof Empelde ausgehend tasten wir uns durch den sonnendurchfluteten Nebel in Richtung Leineaue vor. Vom schweren Tau glitzernde Spinnennetze am herbstlichen Pflanzenkleid entlang des Weges springen ins Auge. Kaum losgefahren möchte man bei soviel Schönheit schon anhalten und schauen - aber wir haben ja noch viel vor und der "Schlussmann" hat die undankbare Aufgabe, den Gruppenzusammenhalt im Auge zu behalten. Kurz vor Hemmingen versinkt die Route des Grünen Ringes in den Leinefluten. Bis hierher war der Tourverlauf per GPS und topografischem Kartenausschnitt auf dem PDA gut zu verfolgen. Für die alternative Tourplanung fehlt auf dem PDA jedoch der Überblick. Das bewährte Kartenwerk zum Grünen Ring hilft uns, eine Ausweichstrecke zu finden. Dank des Hochwassers ist auch die Straßenverbindung zwischen Hemmingen und Wülfel für den Autoverkehr gesperrt - doch wir haben Glück: Die Fluten sind bereits soweit zurückgewichen, dass wir ohne uns nasse Füsse einzuhandeln dem Straßenverlauf folgen können - autofreier Sonntag auf glatt asphaltiertem Weg bis zur Kreuzung mit der Hildesheimer Straße in Wülfel. Von dort nehmen wir den Fahrradweg entlang der Hildesheimer Straße bis Laatzen und biegen in Richtung Leine-Einkaufszentrum in die Nebenstraßen ab, bis wir an der Kreuzung mit der Debberoder Straße Richtung Wülferode wieder auf Kurs sind.
Erste Rast am Kronsberg (Park der Sinne) mit Blick auf das EXPO-Gelände
Mit dem Aufstieg zum Kronsberg beginnt sich der morgendliche Nebel zu lichten. Je mehr die Sonne durchkommt, desto wärmer wird uns und winddichte Jacken und Sweatshirts weichen sommerlicheren Kleidungsschichten und leichten ärmellosen Westen zur Abschirmung des immer noch kühlen Windes. Mit Aussicht auf das EXPO-Gelände im weichen Licht des sich auflösenden Frühnebels genießen wir unsere erste Rast.
Bei dieser Gelegenheit kommt man auch gut miteinander ins Gespräch, denn wie ich selbst sind auch einige andere das erste Mal bei einer solchen Tour dabei, waren bisher als Einzelfahrer oder in anderen Ortsgruppenzusammenhängen unterwegs.
Das familiäre freundliche Klima in der Gruppe macht Lust auf weitere gemeinsame Unternehmungen, das wird schnell klar.
Unfreiwilliger Pannenkurs
Der schöne - leider auch teils steinige (wassergebundene Decke) Weg über den Kronsberg in Richtung Mittellandkanal / Schleuse Anderten bereitet einem von uns Ungemach in Form einer Reifenpanne und beschert allen eine Pause zum Klönschnack und Fachsimpeln über die richtige Strategie zur Vermeidung solcher Pannen.
Mit der fachkundigen Begleitung und Unterstützung durch Martin Klein vom ADFC in Wennigsen (pro-Pedale) scheint die Panne einerseits schnell behoben und andererseits bietet sie die Möglichkeit, zu einem anschaulichen kleinen Pannenkurs für diejenigen, die sich bisher noch nicht selbst getraut haben, eine Reifenpanne selbst zu beheben. Ein Termin für einen ausführlicheren Pannenkurs in der radfahrärmeren Zeit in Wennigsen wird schon mal ins Auge gefaßt.
Offenbar ist aber der wahrgenommene Gruppendruck für die Behebung der Panne zu groß. Jedenfalls ist der Reifen nach kurzer Strecke wieder platt. Diesmal nehmen wir uns mehr Zeit für die Pannenbehebung. Das schöne Herbstwetter und der Blick vom Kronsberg entschädigen für das Warten, und für Interessierte folgt Lektion 2 im Pannenkurs.
Gespräche über die Vor- und Nachteile von Pannenspray - ein Horror für jeden Fahrradprofi, der die klebrige Schweinerei bei der nächsten Wartung nachhaltig entsorgen muss, wie Martin Klein zu berichten weiß, Fachsimpelei über möglichst energie-, material- und körperschonendes Fahren (Trittfrequenz, richtiger Umgang mit Ketten- und Nabenschaltung), ... lassen keine Langeweile aufkommen.
Gelegenheit auch, im Gespräch Tourerfahrung über den Grünen Ring und anderswo auszutauschen. Marlene Haacke vom ADFC Wennigsen hat den Grünen Ring bereits mehrfach befahren und weist auf die meist nicht zu übersehenden blau gestrichenen Objekte hin, die den Tourverlauf markieren. Manchmal sind diese Hinweise jedoch so versteckt, dass man schon mal dran vorbeifährt. Die Übersichtsinformation der Karte muss deshalb immer mal wieder zu Rate gezogen werden.
Schließlich nimmt sich der von der Panne betroffene Mitfahrer an der Schleuse Anderten eine längere Auszeit, um die Ursache der Pannenserie gründlich zu beheben und stösst am Altwarmbüchener See wieder zur Gruppe dazu.
Mittagsrast am Blauen See (Naturfreundehaus, Misburg)
Der Rest der Gruppe bewältigt den weiteren Verlauf des Grünen Ringes jetzt in flotter Fahrt bis zum Naturfreundehaus am Blauen See (Misburg) - nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen See/Camping Areal an der Autobahn in Garbsen.
Die Tische und Bänke der Gastronomie des Hauses im milden Licht der Herbstsonne laden ein zur Mittagspause.
Der bisherige Verlauf der Unternehmung bietet auch Gelegenheit, die Vorteile einer ADFC-Mitgliedschaft zu erwägen, sofern mensch noch kein Mitglied ist.
Gestärkt begeben wir uns wieder auf die Strecke und haben dank wegkundiger Führung keine Mühe, in entspanntem Tempo die Pferderennbahn in Langenhagen zu erreichen.
Erste Ermüdungserscheinungen - Ziel Hainhölzer Bahnhof
Bei Einzelnen machen sich erste Anzeichen von Ermüdung bemerkbar, die uns veranlassen, für die Weiterfahrt eine "Innenschleife" des Grünen Ringes zu wählen, die uns in die Nähe einer für die Heimfahrt günstigen S-Bahnstation (Hainhölzer Bahnhof) zu führen verspricht. Die "Innenschleife" folgt dem Verlauf des niedersächsischen Radfernweges 12 (Hannover-Lüneburg) bis zum Mittellandkanal. Am Vahrenheider Markt lädt ein Eiscafe zu einer Kaffeepause, die wir uns verdient haben.
Danach gelangen wir in Höhe Lister Bad / Lister Yachthafen - auch das Reiterstadion des Lister Reitvereins befindet sich in der Nähe - auf den Radweg entlang des Mittellandkanals, dem wir bis Vinnhorst auf dem Verlauf des Innenstadtrings folgen. An der Kreuzung mit der Schulenburger Landstraße wechseln wir auf die andere Seite des Kanals und verabschieden uns von den MitfahrerInnen mit Ziel Hainhölzer Bahnhof.
Appetit auf mehr
Die übrig Gebliebenen haben durch das schöne Herbstnachmittagswetter Appetit auf mehr bekommen. Da wir in der Leineaue auch im Bereich Marienwerder mit den Leinefluten rechnen müssen, entscheiden wir uns, bis in Höhe Seelze dem Verlauf des Mittellandkanals zu folgen, Gelegenheit, Tempo zu machen und den Bewegungsspaß zu genießen. Mit der Abwendung vom Mittelandkanal rückt für die meisten die Fahrt in Richtung Heimatort - Wennigsen / Barsinghausen in den Vordergrund. Das Ziel, sich auf schönen Wegen abseits des Autoverkehrs zu bewegen gerät dabei etwas in den Hintergrund. Es gelingt uns aber bis Göxe, vielbefahrene Autostrecken zu meiden.
Blau markiert den Grünen Ring
An der Kreuzung mit der B65 in Göxe verabschiede ich mich von der Gruppe und folge mangels Alternativen dem Verlauf des Radwegs an der B65 über Ditterke bis Everloh. Dort bin ich froh, auf Hinweise und Markierungen des Grünen Ringes zu stoßen. Da der Akku meines PDA seit dem Verlassen des Mittellandkanals erschöpft ist und ich keine gedruckte Karte dabei habe, muss ich mich auf die Markierungen verlassen. Sich abwechselnde Steigungen und Abfahrten entlang des Benther Berges und eine schöne Strecke durch Feld und Wald im Abendlicht bis hinein nach Empelde bestätigen mich in meiner Entscheidung für diesen Schlenker. Mit der Ankunft am S-Bahnhof Empelde habe ich auch die 85km auf dem Tacho, die ich mir persönlich als Zielstrecke für diesen Tag gesetzt hatte. Mit An- und Abfahrt zur S-Bahnstation Bismarckbahnhof sind so ca. 100km Tagesstrecke zusammengekommen. Dank der Abwechslung durch das Fahren in der Gruppe habe ich das Pensum nicht einmal als besonders anstrengend empfunden und fühle mich wohlig müde aber nicht überanstrengt - eine rundum gelungene Tour. Dieser Einschätzung werden sicher auch die anderen TeilnehmerInnen zustimmen - die Stimmung war sehr gut und die Bereitschaft Rücksicht zu nehmen vorbildlich.
Persönliches Fazit
Bei einer solchen Gruppentour würde ich gern wieder dabei sein. Unterwegs fotografieren, individuelle Pausen oder andere individuelle Wünsche, zwischendurch innezuhalten, muss jedeR zugunsten des gemeinsamen Erlebens zurückstellen.
Erfahrungen mit der PDA-Navigation
Die Navigation mit dem PDA anhand der bekannten Route und mit dem passenden Ausschnitt aus der topografischen Karte (1:50000) im Hintergrund hat sich für mich als grundsätzlich praxistauglich gezeigt (Fugawi Palm-Anwendung, in der Fugawi PC-Anwendung aufbereiteter Auschnitt aus der TOP50-CD des LVN, aufbereitetes Overlay des Grünen Ringes von geolife.de).
Grundsätzlich praxistauglich - wenig Unterstützung bei Unvorhergesehenem
Für das Finden geeigneter Abweichungen von der Route bei unvorhergesehenen Hindernissen fehlt einem aber auf dem PDA der Überblick. Da hilft nur der Blick in die Karte. Die kurze Betriebszeit des PDA mit einer Akkuladung von ca. 9:00 Uhr bis 16:00 Uhr mit Auszeiten während der Pausen (aktive Betriebszeit abzüglich Abschalten während der Pausen also ca. 5,5 h) ist wohl der Prozessorbelastung durch die dynamische grafische Aufbereitung des sichtbaren Kartenausschnitts entlang des Streckenverlaufs geschuldet. Denn für die reine Aufzeichnung von Trackdaten mit der OpenSource Palm-Anwendung CETUS habe ich mit dem gleichen Gerät schon doppelt so lange Betriebszeiten mit einer Akkuladung erreicht.
Palm-Akkulaufzeit bei anspruchsvoller Grafik für Navigation drastisch reduziert
Ich war deshalb auch unangenehm überrascht, als sich die Navigation mangels Akku-Kapazität plötzlich ohne große Vorwarnung verabschiedete. Bei dem von mir verwendeten Palm Tungsten E2 läßt sich leider auch nicht einfach unterwegs ein Reserve-Akku einsetzen, wie es bei den verwendeten GPS Bluetooth Empfängern von Navilock (BT381, BT451) der Fall ist.
Navilock-GPS-Empfänger - Zielkonflikt zwischen Empfangsgenauigkeit und Akkulaufzeit ?
Der Navilock BT381 hat sich dabei in der Praxis als besonders ausdauernd mit einer Akku-Ladung erwiesen. Der Navilock BT451 verfügt zwar über den leistungsfähigeren GPS-Empfänger (gute Positionsbestimmung auch bei schlechten Empfangsbedingungen), machte aber auf dieser Tour schon nach 4,5h schlapp. Warum der Ersatzakku des BT381 bei fast gleichen Abmessungen für das BT451 nicht verwendbar ist, bleibt das Geheimnis der Navilock-Entwickler. Eine solche Art von Modellpflege ist weder ingenieurmäßig noch kundenfreundlich. Vorausschauenderweise hatte ich den BT381 als Zusatzgerät eingepackt. - Ergänzung 21.01.2008: Nach Einsendung des Navilock BT451 zur Reparatur zeigt das Gerät bei höherer Genauigkeit (leistungsfähigerer GPS-Chip) die erwarteten Laufzeiteigenschaften von mehr als 14h Betriebszeit mit einer Akkuladung und geringer Selbstentladung bei Lagerung.
Ersatzakkus und Ladegeräte für unterwegs sind Pflicht
Ersatzakkus und/oder Ladegeräte für den PDA und GPS-Empfänger für die Aufladung an Rastorten (z.B. Naturfreundehaus) sollte man wohl dabei haben und Pausen für Zwischenaufladung nutzen. Ergänzung 21.01.2008: Ersatzakkus und Ladegeräte für die Aufladung an Rastorten sind bei ordnungsgemäß funktionierendem GPS-Empfänger für diesen bei Tagestouren verzichtbar und lediglich bei mehrtägigen Touren für die Aufladung über Nacht erforderlich. Für PDA's mit USB/Mini-USB-Schnittstelle gibt es externe Akku-Box-Lösungen (z.B. USB Battery (AAA) Box oder USB Battery (AA) Box) mit konventionellen NiMh-Akkus im AA/AAA-Format. Sie lassen sich am USB-Ladekabel des PDA betreiben und ermöglichen mehrfach längere Laufzeiten als der Originalakku des PDA (4-/8-fache Laufzeit) je nach verwendeter Akku-Kapazität/Qualität. Die Akku-Box kann mit Klettband am Fahrradrahmen befestigt oder in der Lenkertasche verstaut werden.
Nichts geht über vorausschauende Planung
Will man sich auf die PDA-Navigation ohne Kartenmaterial und Wegmarkierungen verlassen, muss man mögliche Hindernisse und geeignete Ausweichstrecken vorab abschätzen und planen. Bei so vorausschauender Planung dürfte es allerdings auch leichter fallen, vom Verlauf abseits des Autoverkehrs wirklich ebenbürtige Ausweichstrecken zu finden und zu planen.
Alles in Allem ein gelungener Navigationstest, bei dem ich dank der Mitradler und eigener Ortskenntnis nicht orientierungslos in der Pampa stand, als die PDA-Navigation nicht mehr verfügbar war.



