Touren im Westen von Chur - Vorderrhein - Safiental
Lange habe ich nach einem schönen Badesee in der Umgebung gesucht. Den Caumasee mit seiner Umzäunung der Badezone fanden wir eher abschreckend auch wenn er von Flims aus betrachtet wunderschön türkisfarben daliegt und mit Auto und kurzem Fussweg über eine kleine Standseilbahn gut erreichbar ist. Der Bericht in einer Wochenzeitung brachte mich auf den Crestasee. Die ideale Strecke mit dem Velo dorthin habe ich jedoch bisher noch nicht gefunden. Weder der Single Trail von Tamins nach Trin Digg noch der Aufstieg von Tamins über 2 km steile Kantonsstrasse mit hoher Verkehrsdichte nach Trin lassen Freude am Radelgenuss aufkommen. Zumindest ist der Crestasee mit verkraftbarer Anstrengung aus Chur und Umgebung überhaupt mit dem Velo zu erreichen. Eine mögliche Alternative wäre die Anreise per Bahn bis Trin Station und von dort den Aufstieg mit dem Velo nach Trin Mulin über Trin Digg zu wagen. Diese Variante werde ich in der nächsten Badesaison unter die Räder nehmen. Eine herbstlich Einladung in das Gästehaus "Waldhaus Tenna" oberhalb des Safientals verführte mich dazu, der Einladung mit einer Velotour durch die Rhinaulta als Saisonabschluss zu folgen. Die erfahrenen Radrouten sind hier dokumentiert.
Radtouren bei sommerlichen Temperaturen sind ein besonderer Genuss, wenn im Verlauf der Tour eine Rast verbunden mit dem Sprung ins kühle Nass eines Natursees möglich ist. Mehrtagestouren mit Übernachtung in einfacher, naturnaher und erschwinglicher Unterkunft sind ebenfalls ein "spezielles" Erlebnis. Beides springt einem in Graubünden insbesondere in der Region Chur nicht sofort ins Auge.

- Panorama Blick auf den spätsommerlichen Crestasee von der Liegewiese unterhalb des Hotels, vor dem grossen Ansturm ab frühem Nachmittag

- Touren mit Trackübersicht und Wegpunkten im Westen von Chur - Vorderrhein und Safiental - (1) Chur Tierheim - (2) Chur Wiesental - (3) Kulturforum Würth - (4) Chur Quaderstrasse - (5) Chur Camping Au - (6) Chur Obere Au - (7) Felsberg - (8) Rheinstauwerk Ems - (9) Tamins - (10) Tamins/Reichenau Station - (11) Tamins Crestis - (12) Bonaduz - (13) Trin Digg - (14) Trin - (15) Trin Mulin - (16) Crestasee - (17) Rhinaulta - (18) Versam - (19) Arezen - (20) Abzweig Tenna - (21) Abzweig Usserbärg - (22) Waldhaus Tenna (Usserbärg) - (23) Tenna - (24) Porclis
Chur - Tamins - Trin - Trin Mulin - Crestasee
Die Aussicht auf Badefreuden nach anstrengender Anfahrt mit dem Velo hat mich zu der Tour zum Crestasee (16) verführt.

- Panorama Blick auf ein Teilstück des Biketrails zwischen Tamins Abzweig Crestis und Trin Digg mit Blick auf Trin
Beide Tourvarianten - Single Trail von Tamins Abzweig Crestis (11) nach Trin Abzweig (14) als auch von Tamins Abzweig Crestis (11) über zunächst 2 km steile Kantonsstrasse mit hoher Verkehrsdichte dorthin - fand ich aus der Sicht eines Genussradlers nicht überzeugend. Beim Ausbau der Kantonsstrasse auf den 2 km eine zusätzliche Velospur vorzusehen, ist den Planern offenbar nicht eingefallen.

- Romantische Wegführung des Biketrails über Blumenwiese mit Obstbäumen unterhalb Trin kurz vor Erreichen von Trin Digg
Für den touristischen Genuss wie für die alltägliche Nutzung als umweltfreundlichen Verkehrsweg auf kurzen Strecken mit dem nachhaltigen Verkehrsträger Velo hat sich das Veloland Schweiz/Kanton Graubünden hier einen echten Fauxpas geleistet. Ein Biketrail wird nicht dadurch besser befahrbar, dass er gut signalisiert wird - ein Musterbeispiel dafür wie durch Verpassen von nachhaltigen Alternativen zusätzlicher motorisierter Verkehr erzeugt wird.

- Panorama von der Liegezone mit Hotel am Crestasee aus der Sicht einer Wassernixe von der Badeplattform
Das Bad im Crestasee hat mich für den Ärger über verpatzte Nachhaltigkeit von Verkehrsplanung entschädigt. Das grossartige Gebirgspanorama beim Schwimmen im See lässt einen schnell zur Ruhe kommen und meditative Stille tanken.
Ab frühem Nachmittag ist der Crestasee dann ein willkommenes Ziel für naturnahen Unterricht der Schulen in den umliegenden Gemeinden. Offenbar leidet das Gewässer nicht wie viele andere kleinere Gewässer unter dem sommerlichen Badebetrieb. Das ist sicher auch den - gewollten - Hindernissen bei der Erreichbarkeit zuzuschreiben. Ob per Auto, Bahn oder Velo - vor dem Badegenuss steht mindestens eine kleine Fusswanderung. Wie ein Badesee mit besserer Erreichbarkeit nach einer Badesaison aussieht, kann man am Beispiel des Canovasees in der Nähe von Paspels sehen, zu dem ich auf meiner Tour zum Landwasserviadukt bei Filisur einen Abstecher gewagt habe.

- Abstecher zum Canovasee bei Paspels - ein etwas trostloser Badesee, dem man im September die beendete Saison 2009 deutlich ansieht - muss nicht sein.
Auf dem Rückweg über Trin, Tamins und Felsberg nach Chur unterstreicht die Nachmittagssonne die Schönheit der Landschaft. Für den anstrengenden Aufstieg nach Trin wird der Velomobilist durch eine schnelle Abfahrt vor grandioser Gebirgskulisse über Tamins bis Felsberg entschädigt.
Chur - Bonaduz - Rhinaulta - Versam - Safiental - Tenna
Statt über das Rheinstauwerk bei Ems und RhB-Station Tamins/Reichenau kann man auch der Variante Felsberg-Tamins mit Abfahrt nach Reichenau folgen. Beide Varianten werden der nationalen Radroute 2 zugerechnet. Bei der Fahrt von der Station Tamins/Reichenau über die Rheinbrücke nach Reichenau hat man einen schönen Blick auf das als Hotel genutzte Schloss, der einem bei der Abfahrt aus Tamins entgeht.
Weiter gehts nach Bonaduz entlang des Vorderrheintals - Rhinaulta - nach Versam. Entlang der Strecke von Bonaduz in die Rhinaulta sind immer wieder schöne Aussichtspunkte zu finden, die einen Blick in das Vorderrheintal eröffnen und zur Rast einladen.
Der Vorderrhein wird gern von Kajaksportlern und für Schlauchboot-Rafting genutzt. An den Aussichtspunkten kann man aus der Vogelperspektive einen Blick auf solche Aktivitäten riskieren.
Ein präparierter Aussichtspunkt oberhalb der Rhinaulta auf der Strecke von Bonaduz nach Versam eröffnet den Blick auf die Trassenführung der Rhätischen Bahn im Vorderrheintal. Dort verkehrt auch der Glacierexpress.
Direkt vor Versam verlasse ich die Radroute 2 und nehme die Fahrstrasse ins Safiental. Die Sonne verschwindet in dichten Wolken. Bei Arezen fängt es an zu regnen. Da für diesen Tag Regen und einstellige Temperaturen vorhergesagt waren, bin ich kleidungsmässig gut vorbereitet. Nach der Tunneldurchfahrt kurz vor Acla fahre ich in dichtem Nebel und Nieselregen. Insgesamt benötige ich für die Strecke von Versam bis Tenna mit Pausen 4 Stunden. Auch in Usserbärg herrscht bei meiner Ankunft dichter Nebel. Der Regen hat nachgelassen. Meine Kleidung hat den Schlechtwettertest bestanden.

Das Gästehaus "Waldhaus Tenna" in dem dichten Nebel zu finden verursacht mir noch kleine Irrwege. Eine heisse Dusche lässt mich diese Unannehmlichkeit vergessen. Als ich auf den Balkon trete, hat sich der Nebel gelichtet. Für den nächsten Tag ist Sonne angesagt. Gut, dass ich mich durch die Aussicht auf ein wenig Regen und Nebel nicht habe abschrecken lassen.

Nach einem ausgiebigen Frühstück mache ich mich am späten Vormittag auf den Rückweg über Tenna (23). Die Sonne hat den grössten Teil der Wolken vertrieben.
Schottische Hochlandrinder sind in der Schweizer Bergwelt ein eher ungewohnter Anblick. Schweizer würden wohl sagen, "Sehr speziell".
Auf dem Weg über Acla nach Arezen fahre ich an diesem Schopf in der herbstlichen Mittagssonne vorüber. Die letzte Heuernte liegt bereits einige Wochen zurück.

Nebel und Regen vom Vortag sind vergessen. Nach der Tunneldurchfahrt bei Arezen eröffnen sich diese schönen Blicke ins Safiental und die umgebenden Hänge.


Über Versam und Bonaduz erreiche ich Chur.
Auf dem Rückweg von Chur nach Zizers biege ich diesmal beim Abzweig Untervaz in Richtung Kantonsstrasse ab und nehme einen kleinen Weg direkt gegenüber der Strasseneinmündung durch den Weinberg, der mich auf den Weinwanderweg der "Fünf Dörfer" führt.
Der Wein steht kurz vor der Lese. Letzte Gelegenheit für die Trauben, Sonne zu tanken.

Für mich ist dieser sonnige Tag an einem Oktoberwochenende ein schöner Tourabschluss für die Saison 2009. Der Weinwanderweg ist zu Fuss wie per Velo eine Empfehlung wert.
Zum Zeitpunkt dieser Tour wusste ich noch nicht, dass auch der November zwar kürzere Tage aber durchaus noch schöne Bedingungen für kleine Fahrradtouren bereithalten kann.
Die Saison 2009 ist also noch nicht beendet.








